Fussball für Menschen mit Handicap

Soziales Engagement in Grötzingen


Menschen mit Handicap haben hier ein fußballerisches Zuhause gefunden.

Im Februar 2002 wurde in Grötzingen ein Projekt aus der Taufe gehoben, das unter dem Motto Integration statt Isolation behinderten Menschen die Möglichkeit bietet, aktiv ihrem Spass am Fußballspiel nachzugehen. Unter der Leitung von Herbert Schumacher und Hans-Jürgen Lowas jagen alle zwei Wochen im Durchschnitt 20 bis 25 Fußballbegeisterte aus den Karl-Schubert-Werkstätten dem runden Leder nach. Unterstützt wird das Team Schumacher / Lowas von Birgit Fischer und Joseph Bojowald.

Ein Torschrei hallt durch die Grötzinger Mehrzweckhalle, anschließend folgt ein Torjubel über das halbe Spielfeld. Mit ungeheurem Eifer und Einsatzwillen bemühen sich die Spieler, wie ihre großen Vorbilder aus der Fußball-Bundesliga das Runde ins Eckige zu befördern.

Begonnen hatte alles damit, …

dass der Grötzinger Thomas Schroth, der fast jeden Sonntag den Spielen der aktiven Mannschaft des TSV Grötzingen zuschaut, den damaligen Aktiven-Spielleiter Herbert Schumacher ansprach, ob er für ihn und ein paar Freunde aus der Behindertenwerkstatt ein Training organisieren könne. Schumacher sagte zu, Schroth trommelte fünf Trainingsgäste zusammen und so gingen die ersten Übungsstunden über die Bühne.

Die ersten vier Jahre wurde der damalige Grötzinger Spielleiter, Herbert Schumacher, von André Bauer unterstützt, damals noch aktiver Spieler, heute Schumachers Nachfolger auf der Spielleiter-Position.

Im Vordergrund stand von Beginn an, Menschen mit Handicap den Spass am Spiel zu vermitteln sowie den Teamgeist aber auch die Weiterentwicklung der fußballerischen Fähigkeiten zu fördern. Daher wird nicht nur drauflos gebolzt, die Übungsleiter bieten vielmehr ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm, in dem weder das richtige Aufwärmen, noch Koordinationsübungen und Spielformen fehlen dürfen.

Auch die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen, soll über den Teamsport geschult werden. Hans-Jürgen Lowas, der fast bei allen Übungsabenden dabei ist, sorgt auch für den Transfer der Spieler mit Kleinbussen zum Trainingsgelände.

Mittlerweile gehören die Behinderten zum Grötzinger Fußballalltag dazu

Die meisten Spieler leben in betreuten Wohngemeinschaften. Mittlerweile gehören die Behinderten zum Grötzinger Fußballalltag dazu. Dies liegt auch daran, dass Schumacher von Beginn an Spieler der Grötzinger aktiven Mannschaften in die Trainingseinheiten integrierte. Dadurch wurden Hemmschwellen und Vorurteile gar nicht erst aufgebaut.

Bei der ersten Turnierteilnahme im Jahr 2003

… in Calw-Stammheim belegte man dabei überraschend einen hervorragenden zweiten Platz. Durch den Rückzug des Erstplatzierten eröffnete sich die Chance, bei der Endrunde der Württembergischen Meisterschaft teilzunehmen, die am 18. Juli 2003 in Sichtweite des Gottlieb-Daimler-Stadions in Stuttgart ausgetragen wurde.

Dort belegte man zwar nur den siebten Platz, trotzdem war es für alle teilnehmenden Spieler und Betreuer ein Riesenerlebnis. Aufgrund des großen Zulaufs startete man dieses Jahr beim Turnier in Calw-Stammheim zum ersten Mal mit zwei Mannschaften. Für viele Spieler/innen war es die erste Turnierteilnahme überhaupt und somit war die Nervosität dementsprechend groß. Trotz der Aufregung und einiger Ausfälle belegte man am Ende die Plätze fünf und sieben.

In den Wintermonaten

… werden die Trainingsabende in der Grötzinger Mehrzweckhalle durchgeführt, auch hier sind alle mit Begeisterung bei der Sache. Der TSV Grötzingen, allen voran Herbert Schumacher, gibt hier ein lobenswertes Beispiel für aktives soziales Engagement. Eines, das anderen Vereinen Mut machen sollte, ähnliche Projekte ins Leben zu rufen. ::hs